Historie

Berstädter Zwiebelzuchtverein (BZV)

Er gilt als einer der bekanntesten Vereine der nördlichen Wetterau und seine züchterischen Bemühungen gelten einem Grenzfall zwischen Gewürz und Gemüse – der Zwiebel.

Die besten Ideen erwachsen bei einem guten Tropfen, so sagt man; und so ergab es sich eines Abends, es war vor nunmehr 37 Jahren, dass in der mittlerweile legendären Gastwirtschaft „Zum Bahnhof“ in Berstadt, später „Zur Paula“, der BZV seine Geburtsstunde erlebte.
Mit einem Stammtischstreit begann damals die organisierte Zwiebelzucht in Berstadt.
Es ging um den eigenen Pflanzgarten und die dort angepflanzten Zwiebeln.
Diese wurden, so jedenfalls die Schilderungen der damaligen Stammtischgärtner, von Minute zu Minute immer größer, woraufhin die Streithähne spontan beschlossen, die einzelnen Zwiebeln zu wiegen. Es eilte jeder schnell nach Hause, um wenig später mit einer dicken Zwiebel wieder am Stammtisch zu sitzen. Das höchste Gewicht brachte das Gewächs des ehemaligen Berstädter Bahnhofsvorstehers Herbert Reeh auf Wirtin Paulas Küchenwaage. Man kam zudem rasch überein, diesen Wettstreit im nächsten Jahre zu wiederholen. Damit war im Herbst 1970 der Zwiebelzuchtverein aus der Taufe gehoben.

Seit Beginn wurde im Verein die Geselligkeit gepflegt, das Vereinslokal befand sich von Anfang an bei der Wirtin Paula Högy am Bahnhof. Heinz Isterling wurde für 10 Jahre der Vorsitzende. Brachte zu Beginn noch jeder seine Zwiebel direkt zur Verwiegung mit, was man als „Zwiebel-Olympiade“ bezeichnete, wurde später im Sinne des lauteren Wettbewerbs der so genannte Begehungsrat installiert. Was 1970 als spontane Aktion begann, ist mittlerweile in geordnete Bahnen gelenkt worden.

Im Bemühen um die Steigerung des züchterischen Qualitätsstandards wird alljährlich der Begehungsrat mitsamt eines eigens gebildeten Ausschusses, der Begehungskommission, tätig, die während des Gartenjahres die Zuchtanlagen der Mitglieder regelmäßig inspiziert. Zwei Wochen vor der „Zwiebel-Olympiade“ wird dann die Ernte durch den Begehungsrat und seine Helfer eingeholt. Um jegliche Manipulation zu vermeiden, wird der Gegenstand der züchterischen Bemühungen gereinigt, gewogen und, sicher ist sicher, verplombt.

Diese unermüdlichen Bemühungen um züchterischen Erfolg und Qualitätsstandard trieb im Laufe der Jahre die Siegergewichte der „Zwiebel-Olympiade“ in anfänglich für unerreichbar erachtete Höhen. Lag am Anfang das Gewicht der Siegerzwiebel bei 580 Gramm, so hält heute das Mitglied Wenzel Fiala den absoluten Vereinsrekord, den er 2005 mit der schottischen Züchtung „Kelsea“ und einem Gewicht von 1.994 Gramm aufstellte. Von einer neutralen Jury werden alljährlich die Titel für die Schönheitszwiebel und das „saumäßigste“ Gewächs vergeben. Letztere Auszeichnung ist das schiere Horrorszenario eines jeden Zwiebelzüchters.

Im Jahre 2000 konnte der BZV auf das 30jährige Bestehen zurückblicken. Bei der Jubiläumsveranstaltung am 20. September in der Berstädter Mehrzweckhalle konnten für 30jährige Mitgliedschaft 15 „Männer der ersten Stunde“ geehrt werden: Helmut Appel, Willi Atzbach, Wenzel Fiala, Heinz Högy, Artur Isterling, Heinz Isterling, Friedel Kuhl, Herbert Müller, Erwin Rau, Herbert Reeh, Willy Roth, Günther Schön, Arnold Seipp, Dietmar Völbel und Manfred Zerb.

Der Verein hat derzeit 35 Mitglieder, von denen ein Teil auch aus anderen Ortsteilen und Gemeinden kommt, nämlich u.a. aus Södel, Bad Nauheim, Inheiden, Obbornhofen, Dorheim, Nidda, Ilbenstadt und Assenheim.

Auszug aus: Eugen Rieß, Willy Roth: Berstadt – Menschen und Geschichte, Band 2, Berstadt 2005 mit freundlicher Genehmigung der Autoren.
Ausserdem: Artikel aus der FAZ von 1991